0 Wenn Google ‚geschlossen' sagt, ist dein Geschäft geschlossen – egal, was stimmt
- Sichtbarkeit verstehen
- von Anna Hertwig
- 11.01.2026
Wenn Google „geschlossen" anzeigt, obwohl du geöffnet hast, scrollt der Kunde weiter. Stiller Verlust.
Warum Online-Sichtbarkeit keine Marketingmaßnahme ist – sondern laufende Betriebsabsicherung.
Es ist Samstagvormittag. Ein Mann sitzt zu Hause auf dem Sofa, scrollt auf seinem Handy. Er sucht ein Café in der Nähe – eins, das jetzt geöffnet hat.
Google zeigt ihm eine Liste. Ganz oben: die Cafés, die gerade offen sind. Weiter unten, grau hinterlegt: „Geschlossen".
Dein Café steht da. Grau. „Geschlossen".
Er scrollt weiter. Klickt auf ein anderes. Fährt hin.
Du? Du hast geöffnet. Du hast Platz. Du hättest ihm einen guten Kaffee gemacht. Aber du wirst es nie erfahren.
Kein Anruf. Keine Mail. Kein „Schade, dass ihr zu hattet".
Nur ein stiller Verlust. Einer von vielen.
Nur ein stiller Verlust. Einer von vielen.
Und das Schlimmste: Er kannte dein Café vielleicht sogar schon. Aber weil Google „geschlossen" anzeigt, taucht dein Name gar nicht erst ganz oben auf. Du bist unsichtbar – nicht weil du nicht existierst, sondern weil das Internet denkt, du bist nicht verfügbar.
Das unsichtbare Problem: Wenn das Internet falsche Infos verbreitet
Die meisten Unternehmen sind heute online sichtbar. Das ist gut. Aber viele sind nicht zuverlässig sichtbar. Und das ist das eigentliche Problem.
- Google My Business
- Apple Maps
- Bing
- Branchenportale
- Bewertungsplattformen
- Nutzer-Edits (ja, fremde Leute können deine Öffnungszeiten ändern!)
Und wenn diese Quellen nicht regelmäßig gepflegt werden, entstehen automatisch Fehler:
→ Falsche Öffnungszeiten (besonders an Feiertagen, im Urlaub, nach Umstellungen)
→ Veraltete Telefonnummern oder Adressen
→ Widersprüchliche Angaben auf verschiedenen Plattformen
→ Doppelte Einträge mit unterschiedlichen Infos
Das Tückische daran: Du merkst es nicht. Du siehst nur: „Heute war wenig los." Oder: „Irgendwie kommen weniger Leute als früher." Aber niemand sagt dir: „Ich wollte kommen, aber Google hat gesagt, ihr habt zu."
Der Denkfehler: Sichtbarkeit als Marketing statt als Infrastruktur
Viele Unternehmen denken: „Website ist fertig. Google-Eintrag ist angelegt. Passt schon."
Aber das stimmt nicht.
Online-Sichtbarkeit ist keine Marketingmaßnahme. Sie ist Infrastruktur.
Genau so funktioniert Sichtbarkeit.
Warum Öffnungszeiten der stärkste Hebel sind
Von allen Informationen, die online über dein Unternehmen stehen, sind Öffnungszeiten die wichtigsten.
Warum?
Weil sie 100 % kaufentscheidend sind.
Niemand fährt zu einem Geschäft, das laut Google geschlossen hat. Niemand ruft in einer Praxis an, die laut Apple Maps „heute nicht erreichbar" ist. Niemand plant einen Besuch im Café, wenn dort „Urlaub bis 15.03." steht – obwohl du längst wieder da bist.
Und das Gemeine: Öffnungszeiten sind besonders fehleranfällig.
Sie ändern sich:
- An Feiertagen
- Im Urlaub
- Bei Sonderöffnungen
- Nach Umstellungen (z. B. neue Öffnungszeiten ab Januar)
Und sie werden nicht nur von dir gepflegt – sondern auch von Plattformen und Nutzern.
Google fragt manchmal Nutzer: „Ist dieses Geschäft gerade geöffnet?" Und wenn drei Leute auf „Nein" klicken (weil sie zufällig außerhalb der Öffnungszeiten vorbeigekommen sind), kann Google deine Zeiten automatisch anpassen.
Du merkst es nicht. Aber deine Kunden schon.
Beispiel 1: Der Friseur-Salon
Ein Friseur-Salon in einer Kleinstadt verliert über drei Monate hinweg etwa 15 % seiner Neukunden. Warum? Weil Google an Samstagen „geschlossen" anzeigt – obwohl der Salon geöffnet hat.
Der Inhaber merkt es nicht. Er denkt nur: „Samstags ist es ruhiger geworden."
Erst als eine Kundin ihn darauf anspricht, fällt es auf. Drei Monate stiller Verlust.
Beispiel 2: Das Café mit Urlaubsanzeige
Ein Café macht zwei Wochen Urlaub. Der Inhaber trägt es bei Google ein. Alles korrekt.
Aber: Nach dem Urlaub vergisst er, die Anzeige zu entfernen. Google zeigt weiterhin „Geschlossen wegen Urlaub" – vier Wochen lang.
Potenzielle Gäste fahren woanders hin. Ohne Rückmeldung. Ohne Nachfrage.
Beispiel 3: Die Yoga-Trainerin mit falscher Adresse
Eine Yoga-Trainerin zieht in neue Räume. Sie aktualisiert ihre Website. Aber nicht alle Branchenportale.
Ergebnis: Neue Interessenten fahren zur alten Adresse. Finden nichts. Sind frustriert. Buchen woanders.
Sie merkt es erst, als jemand auf Instagram schreibt: „Wollte vorbeikommen, aber die Adresse stimmt nicht."
Was passiert, wenn nichts passiert
Der Schaden durch falsche oder veraltete Online-Informationen ist:
- Unsichtbar (du bekommst keine Rückmeldung)
- Schleichend (es passiert nicht von heute auf morgen)
- Nicht messbar (du kannst nicht zählen, wer nicht gekommen ist)
- Aber real (jeder verpasste Kunde kostet Umsatz)
Wenn jemand dreimal versucht, dich zu erreichen – und dreimal stimmt etwas nicht (falsche Öffnungszeiten, keine Antwort, veraltete Adresse) – dann ist das Vertrauen weg.
Dann heißt es nicht: „Ich versuch's nochmal."
Dann heißt es: „Die kriegen's nicht hin. Ich geh woanders hin."
Warum das beide Unternehmenstypen trifft
Der pragmatische Macher
Wer ein Geschäft führt, hat genug zu tun. Keine Zeit für ständige Online-Pflege. Verständlich.
Für jemanden, der Ergebnisse will und keine Zeit für Experimente hat, ist das besonders ärgerlich: Man investiert in eine Website, in einen Google-Eintrag – und dann läuft es trotzdem nicht rund. Nicht weil die Strategie falsch ist, sondern weil die Wartung fehlt.
Die sinnorientierte Selbstständige
Wer sich selbstständig gemacht hat, um etwas Sinnvolles zu tun, will nicht aufdringlich wirken. Will nicht ständig „Marketing machen". Das ist nachvollziehbar.
Aber: Wenn jemand dich finden will – und findet veraltete Infos, widersprüchliche Angaben oder eine Adresse, die nicht mehr stimmt – dann fühlt sich das nicht professionell an.
Dann wirkt es nicht nach dir. Dann wirkt es nach „nicht gepflegt".
Und das ist das Gegenteil von dem, was du ausstrahlen willst. Du willst gefunden werden – aber auf deine Weise. Leise, aber verlässlich. Und genau dafür braucht es Wartung.
Die richtige Einordnung: Wartung, nicht Marketing
Hier ist der entscheidende Punkt:
Online-Sichtbarkeit ist keine Marketingmaßnahme.
Sie ist Betriebsabsicherung.
Sie ist kein „Nice-to-have". Sie ist kein „Wenn ich mal Zeit habe". Sie ist kein „Vielleicht bringt's was".
Sie ist Teil deiner Unternehmens-Substanz. Wie Buchhaltung. Wie Versicherung. Wie Wartung.
Niemand sagt: „Ich mach mal Buchhaltung, wenn ich Lust habe."
Niemand sagt: „Ich schließ mal eine Versicherung ab, wenn ich Zeit habe."
Niemand sagt: „Ich lass mal den Motor warten, wenn er kaputt ist."
Warum? Weil das Risiken sind, die man nicht eingehen will.
Genau so ist es mit Online-Sichtbarkeit.
Der Unterschied zwischen Kampagne und Wartung:
Eine Kampagne ist: „Ich will mehr Kunden gewinnen."
Wartung ist: „Ich will keine Kunden verlieren."
Eine Kampagne ist: „Ich investiere, um zu wachsen."
Wartung ist: „Ich investiere, um stabil zu bleiben."
Eine Kampagne ist optional.
Wartung ist notwendig.
Fazit: Verlässlichkeit schlägt Perfektion
Die meisten Unternehmen sind heute online sichtbar.
Aber nicht zuverlässig.
Wenn deine Telefonnummer auf drei Plattformen unterschiedlich ist, ruft niemand an. Die Leute gehen woanders hin.
Wenn deine Adresse veraltet ist, fährt niemand zweimal hin. Sie suchen sich eine Alternative.
Das ist kein Marketing-Problem. Das ist ein Betriebsrisiko.
Und die Lösung ist nicht: „Ich muss mehr Marketing machen."
Die Lösung ist: „Ich muss meine Sichtbarkeit verlässlich halten."
Eine Frage zum Nachdenken:
Wie zuverlässig ist deine Online-Sichtbarkeit gerade – wirklich?
Stimmen deine Öffnungszeiten auf allen Plattformen?
Ist deine Telefonnummer überall aktuell?
Weißt du, wo dein Unternehmen überall gelistet ist?
Wenn du nicht sicher bist: Dann ist das ein Zeichen.
Nicht für Panik. Sondern für Klarheit.
Denn gute Unternehmen handeln präventiv. Sie warten nicht, bis der Motor kaputt ist.
Sie sorgen dafür, dass es gar nicht erst so weit kommt.